Hallo, D.!
Leider kann man den Eloxiervorgang nicht beliebig verlängern. Das hat seinen Grund in der Chemie des Vorganges:
Eloxieren ist Kristallwachstum, initiiert durch elektrischen Strom. Grundsätzlich ist es schon so, dass mehr Strom schnelleres Wachstum bedeutet, aber zuviel Strom bringt unregelmäßige, "mißgebildete" Kristalle mit abweichender Kristallgeometrie hervor. Die Eloxalporen werden gröber, je höher der Strom ist.
Gleichzeitig ist Eloxieren aber auch ein zwangsweiser Abbau der soeben durch den Stromfluss gebildeten Kristalle infolge der chemischen Aggressivität des notwendigen Elektrolyten, in unserem Fall der Schwefelsäure. Das wird als Rücklösung bezeichnet. Die Rücklösung ist abhängig von der Konzentration der Säure (je konzentrierter die Säure, desto höher die Rücklösung), der Temperatur der Säure (chemische Vorgänge laufen pro 10 °C Temperaturerhöhung doppelt schnell ab) und der Verweildauer in der Säure (doppelte Verweilzeit = doppelte Rücklösung).
Es gilt nun, einen Kompromiss zu finden zwischen Kristallaufbau und Rücklösung.
Einerseits soll der Kristallaufbau relativ langsam vor sich gehen, damit die Schicht gleichmäßig wird, andererseits so kurz wie möglich sein, um die Rücklösung in Grenzen zu halten.
In den langen Jahrzehnten seit der Erfindung des Eloxierens haben sich für den Hobby- und Kleinstgewerbebereich die folgenden Eckdaten als insofern ideal herausgestellt, als der Vorgang damit immer gute Ergebnisse bringt:
- Säurekonzentration ungefähr 15%, entsprechen einer Dichte von 1,1
- Badtemperatur zwischen 15 und 20 °C
- Stromfluss von 1,5 A/Quadratdezimeter
- Dauer des Vorganges eine Stunde
Wenn diese Eckdaten eingehalten werden, wird sich immer eine für das dekorative Eloxieren mit der Option der anschließenden Färbung geeignete Schicht in ausreichender Dicke bilden.
Kleine Abweichungen sind durchaus erlaubt, aber nur in relativ engen Grenzen.
So wird eine Säurekonzentration von 12% oder 17% kein Problem darstellen, eine Badtemperatur von 13°C zu Beginn ist auch kein Problem, die steigt durch den Stromfluss ohnehin in den "idealen" Bereich.
ABER ein Überschreiten der Obergrenze von 20°C ist wegen der höheren Rücklösung unbedingt zu vermeiden!
Es ist auch kein Problem, die Dauer auf ca. 90 Minuten zu erhöhen, wenn der maximal zur Verfügung stehende Strom nur 75% des berechneten Wertes für die Oberfläche beträgt.
Strom und Dauer sind aber nicht beliebig durcheinander ersetzbar; zu wenig Strom führt zu ungenügendem Schichtaufbau, sodass die Rücklösung überwiegt; zu viel Strom führt zu schlechter, grober Schicht bis zum Lochbrand im Grundmaterial; zu lange Dauer führt zu höherer Rücklösung; bei zu kurzer Dauer wird nicht genug Schicht gebildet, Kristallwachstum dauert eben seine Zeit.
Teuflischerweise ist die gemessene Badtemperatur keine Garantie für exzellente Ergebnisse. Die Wärme entsteht direkt in der Schicht, und genau von dort muss sie abgeführt werden. Das geht nur mit ausreichender Umwälzung des Säurebades, damit zu jeder Zeit an jeden Punkt des Werkstückes frische, "kühle" Säure herangeführt wird. Es sind in Versuchen an exponierten Stellen von Werkstücken direkt an der Schicht bis zu 70 °C gemessen worden. Was das für den Schichtaufbau bedeutet, dürfte klar sein. Umwälzung ist daher keine luxuriöse Option, sondern unbedingt notwendig!
Bei kleinen Bädern (5 - 10 Liter) und hohen Strömen ist zusätzlich noch eine Kühlung vorzusehen. Bei Einhaltung der oben erwähnten Eckdaten wird sich bei 10 A Strom eine Spannung von so ungefähr 18 V einstellen. Die resultierenden 180 Watt Leistung heizen das Bad ganz nett auf.
Grüße, Rudi
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Wenn Du sicher bist, richtig gemessen zu haben, miss nochmal!