Hallo Zusammen,
als Ferienjobler bin ich für 4 Wochen mit der spannenden Aufgabe betraut für meine Firma den Einstieg in die Kunst des Eloxierens vorzubereiten, d.h. etwas Erfahrungen in Sachen Eloxieren zu sammeln und Versuche zu machen...
3 Wochen davon sind jetzt rum, die Ergebnisse waren zu Beginn miserabel, sind jetzt aber schon relativ gut. Trotzdem habe ich noch ein paar Fragen an euch bzw. Punkte, wozu mich eure Meinung interessiert! Aber zuerst mal zum Aufbau, vielleicht stecken da ja für euch aufschlussreiche Informationen drin:
Unser (immer wieder veränderter) aktueller Aufbau sieht folgendermaßen aus:
• Waschen mit dem Reinigungsmittel von electronic thingks
• Spülen mit destilliertem Wasser
• Eloxieren in 1:1 mit Wasser verdünnter Akku-Säure
o Alu-Werkstück AlMgSi0,5
o Bleiblech als Kathode
o Selbstregelndes Netzgerät, das die Stromstärke konstant hält
o Stromstärke beträgt 2*1,5A/cm², dafür halbe Eloxierdauer (also ½ Stunde)
• Spülen mit destilliertem Wasser
• Färben in kaltem Farbbad mit Färbezeiten von unter 2 min
• Verdichten in kochendem destilliertem Wasser
Jetzt zu den Fragen bzw. Unklarheiten (Es steht zwar alles wie Tatsachen da, ist aber als „in frage gestellt' zu betrachten):
Ein erfahrener „Eloxierer' hat uns folgende Tipps und Erfahrungen gegeben:
1. Der Eloxiervorgang muss immer beendet werden (!), d.h. es muss mind. 1/2 Stunde bei doppelter, oder 1 Stunde bei einfacher Stromstärke eloxiert werden, wobei beides gleichwertig ist.
2. Die Spannung sollte im Idealfall innerhalb der ersten Minuten 12 Volt nicht überschreiten. Bei zu hoher Spannung zu Beginn des Eloxierens wird die Oberfläche bzw. deren Poren regelrecht 'abgesprengt'. Um dies zu vermeiden und die Oberfläche zu schonen sollte die Oxidschicht besser mit langsam steigender Spannung aufgebaut werden.
3. Statt der vom Hersteller (electronic thingks) angegebenen Färbedauer von 10-20 min (bei blau) reichen einige Sekunden aus.
4. Statt der vom Hersteller als optimal angegebenen Färbetemperatur ist ein kaltes Farbbad (Zimmertemperatur) genauso möglich (je kälter umso langsamer lagern sich die Pigmente ein / färbt sich das Bauteil, d.h. umso einfacher kann der richtige Farbton getroffen werden).
Eigene Erkenntnisse waren:
1. Neutralisieren ist überflüssig
2. Es muss auf jeden Fall destilliertes Wasser für das Schwefelsäure- und das Farbbad verwendet werden. Am besten nur destilliertes Wasser bei allem.
3. Ein schrittweises ansteigen der Spannung liefert tatsächlich bessere Ergebnisse.
4. Auch mit der Eloxierdauer kann der Farbton reguliert werden.
5. Die Art der Kontaktierung (Draht, Gewinde, Fläche usw.) spielt keine Rolle (vorausgesetzt es gibt überhaupt Kontakt).
6. Färben kann ohne negative Effekte kalt, also bei Zimmertemperatur, stattfinden.
7. Der Pufferzusatz (electronic thingks) mit Essigsäure führte zu schlechteren Ergebnissen als das Färben ohne dem Zusatz und ohne Beachten des pH-Werts. Der pH-Wert ist meiner Erfahrung nach also unwichtig.
Es würde mich freuen, wenn ihr lebhaft euren Senf zu allem dazu geben könntet, wo euch was einfällt, ihr Erfahrung habt oder einfach nur widersprechen wollt
Besten Dank schon mal!
Gruß
Alex