Hallo!
Um zu verstehen, warum die Kühlung förderlich ist, muss man etwas ins 'Eingemachte' gehen.
Im Säurebad laufen (vereinfacht gesagt) zwei konkurrierende Prozesse ab: einmal bildet sich mit Hilfe der elektrischen Energie eine Oxidschicht auf dem Werkstück. Im zweiten Prozess löst die Schwefelsäure diese Schicht punktuell wieder auf, so dass dann erneut Strom unter die Schicht fließen kann. Dies passiert gleichzeitig, so dass langsam die porige Oberfläche entsteht. Die Schwefelsäure ist also wirklich wichtig für den Prozess, da nur so die (nichtleitende!) Oxidschicht durchbrochen werden kann.
Wie Du schon sagtest, ist die Ionenbeweglichkeit im Bad bei hoher Temperatur auch deutlich höher, die Säure also aggressiver: dies führt ab einer bestimmten Temperatur dazu, dass mehr Schicht ab- als aufgebaut wird
(dem Stromfluss ist die Temperatur des Bades relativ egal).
Die Aktivität der Säure muss nicht hoch sein, um zu gewährleisten, dass immer genug Poren vorhanden sind.
Um ein schnelles Schichtwachstum zu gewährleisten, empfiehlt sich deswegen die Kühlung: es entsteht viel Schicht bei wenig Abtrag.
Die genauen Vorgänge (es sind natürlich nicht nur diese beiden Prozesse) sind noch deutlich komplizierter und noch längst nicht komplett erforscht, aber mit diesem vereinfachten Modell kann man in der Praxis ganz gut arbeiten.
Also: Kühlung ist immer gut
Mit freundlichen Grüßen,
Christoph Drube
Electronic Thingks