Hallo!
Eine Untergrenze für die Säuretemperatur - solange es um den Vorgang des Anodisierens geht - gibt es nicht. Wenn allerdings Eisschollen auf dem Bad schwimmen, hat man es mit der Kühlung wohl etwas übertrieben!
Wieso dann die Empfehlungen, zwischen 15° und 20°C zu bleiben?
Diese Empfehlung zielt auf das dekorative Eloxieren, bei dem das Werkstück nach dem Anodisieren noch eingefärbt wird, ab. Für die Färbung ist es ideal, wenn die Badtemperatur zwischen 15° und 20°C bleibt. Dann bilden sich Poren in jener Größe aus, mit der alle Farben und Färbemethoden zurecht kommen.
Ist die Badtemperatur kleiner als 15°C, besteht die Möglichkeit, dass die Poren zu eng für manche Farbstoffe werden und eine Einfärbung zum Lotteriespiel wird. Wenn das Bad mehr als 20°C hat, können einerseits zu grobe Poren entstehen oder die Rücklösung so stark werden, dass keine ausreichende Schicht entstehen kann.
Die ganzen Temperaturangaben sind aber nur sehr grobe Richtwerte, weil es einzig auf die Temperatur der sich soeben bildenden Schicht ankommt. Die wird allerdings im Idealfall (unendlich gute Umwälzung und effiziente Badkühlung während des Anodisierens) ziemlich gleich der Badtemperatur sein.
Sinnvoll ist eine möglichst geringe Badtemperatur beim Harteloxieren, um die Rücklösung so gering wie möglich zu halten. Um diesen Effekt zu unterstützen, wird die Säurekonzentration stark (auf etwa 5%) zurückgenommen. Da sind dann allerdings - infolge des größeren Widerstandes des Säurebades - Spannungen von bis zu etwa 100 (jaja, hundert) Volt nötig, um die nötige Stromdichte zu erzeugen; nicht völlig ungefährlich also!
Dafür hat man dann eine Schichtdicke, die bis zu zehnmal höher ist, als es beim dekorativen Eloxieren möglich ist. Einfärben ist allerdings nicht mehr möglich, Harteloxalschichten sind naturfarben.
Grüße, Rudi
___________________________________________________
Wenn Du sicher bist, richtig gemessen zu haben, miss nochmal!